Eine Kindertagestätte ist ein Ort der Menschlichkeit. Nicht nur weil hier Menschen unterschiedlichster Herkunft, Hintergründe, Einstellungen und Erfahrungen aufeinander treffen, sondern auch, weil hier die nächsten Generationen das Menschsein lernen. Sei es die Sprache, der Umgang mit Zahlen, oder wie man in einer diversen Gesellschaft zusammenlebt. Begleitet werden die Lernenden dabei von qualifizierten Fachkräften, die ihre Entwicklung täglich unterstützen und lenken. Doch agiert eine Kindertagestätte nicht im luftleeren Raum. Erziehung und Betreuung muss organisiert, Entwicklungsverläufe beobachtet sowie dokumentiert und Bildungsangebote strukturiert werden. Qualitätsentwicklung muss, ebenso wie Personalentwicklung, vorangetrieben und bürokratische Rahmenbedingungen eingehalten werden. Ebenso bewegt sich die KiTa und das Bildungssystem im allgemeinen auch im Rahmen gesellschaftlicher, technischer und arbeitsorganisatorischer Entwicklungen. Die deutlichste dieser Entwicklungen in den letzten Jahren, genauso wie in Zukunft, ist die fortschreitende Digitalisierung. Damit einhergehend setzen sich auch zunehmend auf Algorithmen, maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz basierende Schlüsseltechnologien durch. Wie kann im Lichte dieser technischen Neuerungen eine menschenorientierte Institution profitieren, welche Zukunftsvision lässt sich für diese entwickeln?

Intelligente Automatisierung als Entlastung für Kindertagesstätten

Um sich dieser zu nähern ist es sinnvoll Einrichtungen in zwei Bereiche einzuteilen. Zum einen den organisatorisch-verwaltungstechnischen und zum anderen den pädagogischen Bereich. Beide können in Zukunft von den beschriebenen Technologien profitieren. Obwohl es nicht sinnvoll und wünschenswert ist eine KiTa wie ein Wirtschaftsunternehmen auf Profit auszurichten, spielt Kosteneffizienz doch auch im Bildungsbereich eine Rolle. Öffentliche Budgets sind begrenzt und eine Kostenumlage auf Erziehungsberechtigte nicht gewünscht, oder sinnvoll. Eine Zukunftsvision in diesem Bereich kann eine Art „automatisierte Verwaltung“ sein. Schematische, formalisierte und repetitive Aufgaben können beispielsweise mit Hilfe von „Intelligent Automation“ und der „Robotic Process Automation“-Technologie (RPA) gelöst werden. RPAs sind hierbei eine Art in Software übersetzte Maschinen, oder Roboter, welche automatisierte Aufgaben, schnell, zuverlässig und kosteneffizient durchführen. Großer Vorteil dieser „Software-Bots“ ist die Möglichkeit, diese sowieso schon implementierten Softwarelösungen über die Benutzeroberfläche ansteuern zu lassen, ähnlich wie es menschliche Mitarbeiter auch tun. So müssen nicht erst automatisierte Programme geschrieben werden die dann diese Aufgaben übernehmen, die Flexibilität erhöht sich. Weiter gedacht bieten RPA-Systeme die Möglichkeit mit maschinellem Lernen bzw. künstlicher Intelligenz verbunden zu werden. Künstliche Intelligenz baut, durch auf große Datenmengen basierende Lernmethoden, spezielle Fähigkeiten sowohl zur Entscheidungsfindung als auch Mustererkennung auf. Als Vision sind somit Systeme möglich, die beispielsweise eingehende Rechnungen selbstständig erkennen und richtig in das Buchungssystem einpflegen können und zusätzlich anstehende Zahlungen effizient und selbstständig organisieren und tätigen. Des Weiteren könnten beispielsweise Anfragen auf einen KiTa-Platz voll automatisiert über die Internetseite des Trägers abgewickelt werden. Hierbei könnten sich etwa Erziehungsberechtigte online anmelden und ihre Daten hinterlegen. Das System verarbeitet diese automatisch und stellt so selbstständig fest ob Betreuungsplätze frei sind, der Betreuungsschlüssel eingehalten wird und auch eine dementsprechende Rückmeldung geben. Die Leitungskraft würde in diesem Fall von dem Prozess lediglich in Kenntnis gesetzt und muss so keine weiteren Schritte einleiten, kann in diesen Prozess aber kontrollierend eingreifen.

Qualitätsmanagement mit Hilfe von RPA

RPA-Systeme könnten perspektivisch auch im pädagogischen Bereich Anwendung finden. Vorstellbar wären Anwendungen, welche die Erzieherinnen bei der Planung und Gestaltung von Bildungsangeboten unterstützen. Über ein Interface könnten Bildungsbereich, Alter der betreffenden Kinder u. ä. abgefragt werden, das RPA-System, oder die KI könnte diese Daten anschließend selbstständig, z.B. mit den Daten des Kalenders (der bereits erfolgten Angebote in einem Bildungsbereich) sowie den bereits erfolgten Bildungsdokumentationen abgleichen und verarbeiten und nach einem pädagogisch begründeten Schema Vorschläge für Bildungsangebote darbieten. Diese könnten als eine Basis für die gemeinsame Angebotsentwicklung und als Inspiration für die Fachkräfte dienen. Dies beschleunigt Planungsprozesse und kann zu einer Qualitätssteigerung, bzw. Qualitätssicherung der Angebote führen. Auch hier könnte künstliche Intelligenz dazu beitragen die geeignetsten Bildungsangebote für die betreffenden Kinder zu finden und so auch zu einer Individualisierung des Bildungsprozesses führen. Auch die über die gängige Entwicklungsbeobachtung gesammelten Daten, könnten zum Beispiel, neben der qualitativen  Auswertung durch die Fachkräfte auch automatisiert verarbeitet werden. Hierbei muss aufgrund der Sensibilität der Daten natürlich auf höchste Sicherheit geachtet werden.

Simulationen für bessere Planbarkeit

Als weiteres Konzept ist aus der modernen industriellen Fertigung und anderen Wirtschaftsbereichen das Konzept der digital Twins – also des digitalen Zwillings – bekannt. Dabei handelt es sich um die digitale Repräsentation von realen oder (noch) nicht realen Dingen aus der analogen Welt. So kann in der Medizin beispielsweise eine digitale Repräsentanz des Patienten in Form eines 3D-Modells hilfreich bei der Planung von Behandlungen sein. An einer digital abgebildeten Maschine lassen sich neue Teile oder Betriebsverfahren zu geringeren Kosten und ungefährlich testen. Auch das menschliche Arbeiten kann so verbessert werden. In Zukunft könnten digitale Zwillinge des pädagogischen Fachpersonals auch dazu beitragen etwa die Qualität der Bildungsangebote zu verbessern. So könnten die digital Twins bereits erfolgte Angebote im Datenraum nachahmen und mit den durch die Fachkraft beobachteten Ergebnissen konfrontiert, einen anschaulichen Rahmen für Feedback und Reflexion der Bildungsangebote liefern. Noch konkreter werden die Chancen und Möglichkeiten durch die Simulationsfunktion, wodurch zukünftige Angebote im Hinblick auf die zeitlichen, finanziellen, räumlichen und anderen Ressourcen vorausberechnet und so effizienter geplant und durchgeführt werden könnten. Auch das „System-KiTa“ profitiert von solchen Vorausberechnungen um Kosten und Material zu sparen, welches auch hier durch Ressourcenfreisetzung der pädagogischen Arbeit zugutekäme.

Big Data & Learning Analytics – Chancen und Risiken

Eines der meistdiskutierten Themen der letzten Jahre im Bereich der Digitalisierung ist „Big Data“. Damit sind große Datenmengen im allgemeinen gemeint, die bei einer Vielzahl an digitalisierten Diensten und Verfahren anfallen. Diese Datenmengen können in Folge dessen analysiert und nutzbar gemacht werden. Im wirtschaftlichen Bereich ist dieses Prinzip durch die großen Tech-Unternehmen, welche die Datenanalyse vor allem zur Verbesserung der Angebote und individualisierter Werbung nutzen, einer größeren Öffentlichkeit bekannt geworden. Im Zuge der zunehmenden Nutzung digitaler Anwendungen und Systemen auch im Bildungsbereich bezeichnet man hier diese Art des Sammelns und der Nutzbarmachung von Daten als „Educational Datamining“ (EDM). Hier werden die gesammelten Daten automatisiert ausgewertet und können so Rückschlüsse auf mögliche Verbesserungen im Bildungsprozess, von der Schul-, KiTa- und Unterrichtsorganisation bis zum digitalen Lehrmitteleinsatz, bieten. Ähnliche Anwendungen, aber vom Begriff des EDM abzugrenzen, bieten die sog. „Learning Analytics“. Diese beziehen sich in ihren Daten auf Individuen (meist Schüler) und deren konkreten Lernfortschritt. Diese Datenanalyse soll dabei unterstützen Lernziele zu erreichen und sogar den Lernerfolg voraussagen können. Besonders vielversprechend sind dabei Ansätze bei welchen neben der automatisierten datengetriebenen Analyse, Fachkräfte diese Daten und Analysen im Sinne pädagogischer Profession Auswerten und Interpretieren. Dies trägt der Komplexität einer Lehr-Lernsituation Rechnung.

Besonders personenbezogene Daten sind dabei natürlich sensibel zu behandeln. Gerade Daten die Rückschlüsse auf eventuelle Entwicklungsverzögerungen zulassen dürfen nur den Personen zugänglich sein, die auch heute schon diese Daten erheben und einsehen, dies umfasst pädagogisches Fachpersonal, sowie Erziehungsberechtigte. Dementsprechend müssen Daten- und Netzwerksicherheit gewährleistet sein und gehören somit integral zu einer ganzheitlichen Digitalisierungsstrategie.

Digitale Technologien werden die frühkindliche Bildung bereichern

Daten, künstliche Intelligenz, Automatisierung, Analyse – diese Begriffe können sehr technisch und überfordernd wirken. Doch richtig angewendet tragen sie dazu bei das Bildungswesen von für den Menschen zeitaufwendigen und fehleranfälligen Prozessen zu entflechten und den Fachkräften neue Arbeitsmittel an die Hand zu geben, um mit deren Hilfe in der KiTa, der Schule und anderen Bereichen den Fokus vermehrt auf den zwischenmenschlichen Bereich zu legen. So können digitale Technologien dort eingesetzt werden wo sie am besten sind: In der Verwaltung, Automatisierung, der Analyse großer Datenmengen und der Effizienzsteigerung. Gleiches gilt für das Fachpersonal. Mehr Zeit für die direkte Arbeit mit der Klientel und die qualitative Analyse der Lehr-Lernsituationen fördern die Zufriedenheit mit dem Arbeitsbereich und die allgemeine Qualitätsentwicklung.

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